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Bassschule„Bässe haben mein Leben verändert“

Wenn Stuart Matthewman alias Cottonbelly Musik macht, geht das Feeling über den Bauch. Im Studiogespräch in New York erzählt der Brite, wie ihn die Faszination für tiefe Töne vom Punk zum Reggae bekehrt hat – und wie er mit Psychoakustik seine Hörer begeistert.

Weltbekannt ist Stuart Matthewman durch seine Zusammenarbeit mit der Sängerin Sade Adu, der erfolgreichsten britischen Künstlerin aller Zeiten. Seit 1984 agiert Matthewman als (Co-)Produzent, Songwriter, Saxofonist und Gitarrist ihrer Band. Außerdem macht Matthewman selbst Musik – unter dem Namen „Cottonbelly“. Er veröffentlicht demnächst ein erstes Album mit seinem neuen Projekt „Twin Danger“, zudem komponiert er Soundtracks. Seit Mitte der Achtzigerjahre lebt der Engländer in New York. Dort hat ihn unser Autor Ruben Jonas Schnell getroffen, in seinem Aufnahmestudio im sechsten Stock eines großen Bürohauses – mitten in Manhattan.

110 Millionen Platten hat Stuart Matthewman allein mit der Band „Sade“ verkauft. Weitere Erfolge feierte der Produzent und Multi-Instrumentalist mit Soundtracks zu Filmen wie „Astronaut Farmer“ und „Ein unmoralisches Angebot“. Als „Cottonbelly“ macht Matthewman Jazz und Reggae. In allen Spielarten fasziniert ihn die Macht der tiefen Töne – aber auch die Fähigkeit der Musik, Menschen zum Lachen zu bringen.

110 Mio. Platten hat Stuart Matthewman allein mit der Band „Sade“ verkauft. Weitere Erfolge feierte der Produzent und Multi-Instrumentalist mit Soundtracks zu Filmen wie „Astronaut Farmer“ und „Ein unmoralisches Angebot“. Als „Cottonbelly“ macht Matthewman Jazz und Reggae. In allen Spielarten fasziniert ihn die Macht der tiefen Töne – aber auch die Fähigkeit der Musik, Menschen zum Lachen zu bringen.

Matthewman: Willkommen in meinem kleinen Studio. Wir sind hier in Manhattan, 29. Straße. Hin und wieder kann man durchs Fenster Polizeiautos und Krankenwagen hören. Abgesehen von meinem Studio, befinden sich hier nur Büros. Ich versuche, tagsüber leise zu sein und den Lärm nachts zu machen. Bisher hat sich niemand beschwert. Aber ich produziere ja auch schöne Musik, oder? (lacht)

Schnell: Und das sehr erfolgreich (lacht). Du bist Engländer – warum bist du nach New York gezogen?

Ich bin in Hull aufgewachsen, in Nordengland. 1980 zog ich nach London. Ich hatte kein Geld und pennte in besetzten Häusern. Zum Glück traf ich in meinem ersten Jahr in London Sade und den Rest der Band. Nachdem wir einen Plattenvertrag abgeschlossen hatten, waren wir dauernd unterwegs und kamen oft nach New York. Ich verliebte mich in die Stadt und blieb.

Von deinem Dasein als armer Musiker in London bis zum Verkauf von Millionen von Platten verging nicht viel Zeit.

Das war Glück und Entschlossenheit. Das Wichtigste als Künstler ist, keinen Plan B zu haben. Man muss wissen, was man will. Man kann keinen zweiten Job haben, sonst bleibt man niemals dran.

Inzwischen arbeitest du seit fast 30 Jahren mit Sade

Wir neigen dazu, immer mal wieder für zehn Jahre etwas anderes zu machen (lacht). Sonst hätten wir keine 30 Jahre miteinander ausgehalten!

Der Klang von Manhattan umgibt den Musiker bei jedem Schritt

Der Klang von Manhattan umgibt den Musiker bei jedem Schritt

An welchen anderen Projekten bist du im Moment beteiligt?

Ich schreibe Musik für Filme. Das hat eine ganz andere Dynamik als das Songschreiben, weil man speziell für die Szenen schreibt. Mit meinem Alter Ego Cottonbelly mache ich Dub-Musik, Remixe von anderen Künstlern wie Janet Jackson und produziere sie. Mein neues Projekt heißt „Twin Danger“. Ein Jazzprojekt, keine Angst, es ist gut! Mit einer fantastischen Sängerin aus New York, Vanessa Bley. Das wird ziemlich cool und sexy.

Nimmst du deine Musik in diesem kleinen Studio auf? Das sind doch keine 15 Quadratmeter, oder?

Ja, genau. Da der Raum hier so klein ist, mische ich die Musik meist mit dem Kopfhörer. Ich traue dem Klang dieses Raums nicht, aber ich vertraue dem Klang des Sennheiser HD 640. Der ist großartig! Man hört viel im unteren Frequenzbereich, und er klingt nicht zu hell. Beim Mischen braucht man einen sehr natürlichen Klang, und der HD 640 hat einen sehr genauen Bass und exakte Höhen. Außerdem liebe ich es, mit Kopfhörern durch den Wahnsinn von New York zu gehen oder in der U-Bahn zu sitzen.

Cottonbelly richtet sein Sennheiser MD 421 aus

Cottonbelly richtet sein Sennheiser MD 421 aus

Aber Sade nimmt ihren Gesang nicht in diesem Studio auf?

Nein, aber auch sie benutzt Sennheiser-Equipment für einige ihrer Aufnahmen. Für ihre Stimme im Studio benutzt sie das Neumann U 87 Ai. Wenn wir live spielen, ist alles von Sennheiser: sämtliche Mikrofone und Funkmodule – einfach alles. Wir benutzen In-Ear-Ohrhörer von Sennheiser, weil wir keine Monitorboxen auf der Bühne haben. Außerdem will der Bassist die niedrigen Frequenzen körperlich spüren. Er hat ein kleines Gerät, das unter der Bühne angebracht wird und den Boden zum Vibrieren bringt, damit er den Bass tatsächlich fühlt.

Ist der Bass für Sades Musik von besonderer Bedeutung?

Unsere Platten sind sehr „deep“. Wir benutzen einen sehr tiefen Bass. Kaum Subbass, sondern Töne, die man tatsächlich hören und – wenn man ein gutes Soundsystem hat – vor allem auch spüren kann. Für unsere Liveshows ergänzen wir Subbässe für Soundeffekte. Wir verwenden 16 Subwoofer auf jeder Seite der Bühne, damit das Publikum die tiefen Töne körperlich miterleben kann.

Mit gerade einmal 15 Quadratmetern ist Matthewmans Studio ein sehr intimer Ort

Mit gerade einmal 15 Quadratmetern ist Matthewmans Studio ein sehr intimer Ort

Die Subbässe, die du erwähnst, erinnern mich an die niedrigen Frequenzen, die in Kinos verwendet werden, um das Publikum emotional zu berühren.

Natürlich, die großen, dramatischen, tiefen Bässe – ta, ta taaa ... – lösen Angst aus: Psychoakustik, um das Publikum zu manipulieren. Doch nicht nur die Klänge, auch die Musik bringt Menschen zum Weinen – oder Lachen.

In der Pop- und Dance-Musik wird ein tiefer Bass ja meist für einen positiven Effekt eingesetzt. Wann haben diese tiefen „Wohlfühlfrequenzen“ dein besonderes Interesse geweckt?

Als ich 18 oder 19 war, spielte ich in einer punkigen Rockband im Norden Englands. Eines Nachts traten wir im Vorprogramm der Reggae-Gruppe Steel Pulse auf. Danach schaffte ich es zurück auf die Bühne und saß hinter dem Schlagzeuger. Auf beiden Seiten hatte er zwei riesige Subwoofer. Alles, was wir hören konnten, waren sein Schlagzeug und der Bass, der locker unter 15 Hertz wummerte. Es war ein unglaubliches Gefühl, das mein Leben komplett verändert hat.

Das Neumann KM 184s ist Matthewmans Lieblingsmikrofon

Das Neumann KM 184s ist Matthewmans Lieblingsmikrofon

Ein Reggae-Konzert hat dein Leben verändert? Interessant! Der Titel von Sades Album „Lovers Rock“ bezieht sich ja sogar auf ein Reggae-Genre aus den Siebzigern …

Stimmt. Das liegt daran, dass man damals in England wirklich überall Reggae gehört hat. Die Reggae-Clubs waren oft nur mit Basslautsprechern und Hochtönern bestückt. Der Klang war fantastisch. Es war physikalisch unmöglich, stehen zu bleiben. Der Bass war so mächtig, dass einem schlecht wurde, wenn man lange ganz still stand. Man musste einfach tanzen. Der Bass entführte einen an einen ganz anderen Ort – körperlich und geistig.

Wow! Das klingt nach einer intensiven Erfahrung. Bist du denn bei Sade der einzige Reggae-Fan?

Wir mögen alle unterschiedliche Arten von Musik. Sade selbst steht sehr auf Hip-Hop, Andrew Hale, unser Keyboarder, mag esoterischen Dance, Paul liebt nach wie vor Punk, und ich fahre auf Filmmusik ab. Doch wir alle lieben Reggae. Reggae ist ehrlich, aufs Wesentliche reduziert. Man hört keinen Reggae, um von einem tollen Gitarrensolo beeindruckt zu werden; vielmehr ist das, was der Gitarrist tut, schlicht und klingt zu dem Song einfach richtig. Und genau darum geht es uns – mit Sade und bei meinen anderen Projekten. Es geht darum, dass wir als Band richtig klingen und nicht angeben, was für tolle Musiker wir sind.

Die Fotografen

Seit fast 20 Jahren leben die Fotografen und Filmemacher Johannes Kroemer und Vanina Feldsztein in New York. Shootings wie das mit dem Sennheiser-Musiker Stuart Matthewman sind für sie so etwas wie der ideale Arbeitstag. Der Produzent von Sade war „cool, nett und zugänglich“ – und seine Nachbarschaft voller Überraschungen: Vor dem Termin fotografierte Kroemer mögliche Orte für Porträts. An der Bleecker Street in Noho knipste er einen alten Mann, der vor seinem Loft saß. Später stellte sich heraus, dass dieser Mann kein anderer als Robert Frank war – der Vater der modernen Dokumentarfotografie.

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